Rückblick auf unseren Fachvortrag vom 24. Oktober 2026

Ein Tag voller Wissen, wertvoller Begegnungen und gemeinsamem Austausch

Am 24. Oktober 2026 durften wir zahlreiche Gäste zu unserem Fachvortrag von LKGS Schweiz – gemeinsam stark und dem Inselspital Bern begrüssen. Angehörige, Fachpersonen, selbst Betroffene und weitere Interessierte reisten nicht nur aus Bern, sondern auch aus dem Thurgau, St. Gallen, Basel, Luzern, Zürich, dem Aargau und Freiburg an. Das grosse Interesse und die weite Anreise freuten uns sehr und zeigten, wie wichtig der Austausch rund um Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Fehlbildungen (LKGS) ist.

Gemeinsam ins Thema eintauchen

Den Auftakt machte Sarah Thalmann, Co-Präsidentin des Vereins, die die Gäste herzlich willkommen hiess und den Verein LKGS Schweiz – gemeinsam stark vorstellte. Anschliessend stiegen wir mit einer interaktiven Mentimeter-Umfrage gemeinsam in die Themen des Tages ein. Dabei wurden Erfahrungen, Erwartungen und offene Fragen der Teilnehmenden sichtbar.

So zeigte sich beispielsweise, dass viele Menschen beim Gedanken an eine Anästhesie Angst oder Beklemmtheit verspüren, die Mehrheit bisher jedoch gute Erfahrungen damit gemacht hat. Bei der Narbenpflege standen vor allem die Wünsche nach möglichst unauffälligen, weichen und dehnbaren Narben im Vordergrund. Besonders gross war das Interesse an der Wund- und Narbenpflege. Gleichzeitig wurde deutlich, dass rund um Gewebespenden und Forschung noch wenig Vorwissen vorhanden war – eine ideale Grundlage für die spannenden Referate, die uns erwarteten.

Persönliche Einblicke: Eine Mutter erzählt

Einen besonders persönlichen Einblick bot das anschliessende Interview, in dem Tanja Jaggi mit Isabella Weidmann sprach. Als Mutter von zwei betroffenen Kindern berichtete Isabella offen und eindrücklich von ihren Erfahrungen.

Sie erzählte, wie sie die Diagnose ihrer Kinder erlebt hatte, welche Gedanken und Sorgen sie vor Operationen beschäftigten und wie sie die Narkosen und die anschliessende Wundheilung wahrnahm. Auch die Begleitung in dieser Zeit, hilfreiche Unterstützung und die emotional schwierigsten Phasen kamen zur Sprache.

Ihre Schilderungen machten deutlich, wie viele Gefühle, Fragen und Unsicherheiten eine Familie auf ihrem Weg begleiten können – und wie wertvoll es ist, sich verstanden und gut aufgehoben zu fühlen.

Anästhesie: Vertrauen schafft Sicherheit

Danach widmete sich Frau Dr. Jennifer Wittwer dem Thema Anästhesie. Im Zentrum ihres Referats stand die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kind und Anästhesieteam. Sie zeigte auf, wie wichtig Vertrauen und eine gute Kommunikation sind und wie diese dazu beitragen, dass Kinder eine Narkose möglichst sicher und ruhig erleben können.

Anschaulich erklärte sie den Ablauf rund um die Narkose und was geschieht, nachdem die Eltern den Raum verlassen haben und ihr Kind eingeschlafen ist. Besonders eindrücklich war ihr Appell an die Eltern, vor dem Kind möglichst Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit auszustrahlen. Denn wie ein Kind einschläft, kann auch für das Aufwachen und die Zeit danach eine wichtige Rolle spielen.

Mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Beispiel veranschaulichte sie, wie stark Worte unsere Gedanken beeinflussen: Wenn man jemandem sagt, er solle nicht an eine Zitrone denken, dann geht das nicht. Genauso kann die Aussage «Du brauchst keine Angst zu haben» bei einem Kind vor allem das Wort Angst in den Vordergrund rücken. Deshalb empfahl sie, solche Formulierungen möglichst zu vermeiden, die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen und keine falschen Versprechungen zu machen.

Auch viele praktische Tipps gab sie den Teilnehmenden mit auf den Weg: genügend Zeit für das Einrücken einzuplanen, das Lieblingsplüschtier mitzunehmen und vertraute Rituale beizubehalten. Kleine Dinge können in einer ungewohnten Situation viel Sicherheit vermitteln.

Wundheilung und Narbenpflege: Kleine Handgriffe mit grosser Wirkung

Nach einer kurzen Pause nahm uns Frau Dr. Gabriela Dekany mit in die faszinierende Welt der Wundheilung und Narbenbildung.

Sie erläuterte, welche Ziele eine gute Wundheilung verfolgt: Die Hautbarriere und die Reissfestigkeit sollen wiederhergestellt werden, die Narbe soll möglichst unauffällig, flach und weich sein und sich farblich der umgebenden Haut anpassen. Gleichzeitig sollen die Hautanhangsgebilde ihre Funktion behalten und die Beweglichkeit nicht eingeschränkt werden.

Anhand des Aufbaus der Haut erklärte sie die verschiedenen Phasen und die Dauer der Wundheilung. Ebenso zeigte sie mögliche Störungen auf und erläuterte, welche Faktoren die Entwicklung einer Narbe beeinflussen können. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Zugspannung, einem wichtigen Einflussfaktor bei der Narbenbildung.

Besonders spannend war der Einblick in die Narbenpflege: Unser «Wunderfinger» kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Mit der richtigen Pflege und gezielten Massnahmen lässt sich die Entwicklung einer Narbe positiv beeinflussen. Die Teilnehmenden erhielten wertvolle Informationen und praktische Anregungen, die sie im Alltag anwenden können.

Ein Blick hinter die Kulissen: Was Gewebespenden zur Forschung beitragen

Im letzten Fachreferat öffnete Dr. Martin Degen die Türen zur Forschung. Unter dem Titel «Ein Blick hinter die Kulissen: Was wir durch die Gewebespende Ihrer Kinder lernen können» stellte er das Labor für Orale Molekularbiologie und sein Team vor.

Er nahm uns mit auf eine Reise durch die Entwicklung des Gesichts während der Schwangerschaft und zeigte auf, wie häufig LKGS in der Schweiz und in umliegenden europäischen Ländern vorkommt. Anschliessend erläuterte er, wie LKGS erforscht werden kann und welche Herausforderungen und Barrieren dabei bestehen.

Besonders interessant war der Einblick in den Umgang mit menschlichen Gewebezellen, die bei LKGS-Operationen als Gewebeüberschuss anfallen. Diese Zellen können gewonnen, isoliert und in einer Biobank archiviert werden, um sie für Forschungszwecke verfügbar zu machen.

Ein aktueller Forschungsansatz verfolgt dabei ein besonders spannendes Ziel: Es wird untersucht, ob sich künftig Knochenmaterial aus Lippenzellen herstellen liesse, um bei bestimmten Operationen die Entnahme von Knochenmaterial aus dem Beckenkamm zu vermeiden. Ein solcher Ansatz könnte langfristig neue Möglichkeiten für betroffene Patientinnen und Patienten eröffnen.

Die Ziele seiner Arbeit brachte Dr. Degen auf den Punkt: mehr verstehen, Patientinnen und Patienten helfen und aufklären. Sein Referat machte deutlich, welches Potenzial in der Forschung steckt und weshalb Gewebespenden einen wertvollen Beitrag dazu leisten können.

«Milo und Flumi – unser Spitalabenteuer» stellt sich vor

Auch ein Herzensprojekt durfte an diesem Tag nicht fehlen: Das Kinderbüechli-Projektteam stellte das bald erscheinende Buch «Milo und Flumi – unser Spitalabenteuer» vor.

Mit dabei war natürlich auch der Plüsch-Flumi, der live für einen ersten Eindruck sorgte. Die Gäste konnten zudem ein Ansichtsexemplar des Buches entdecken. Das Interesse war gross, und bereits vor Ort wurden erste Vorbestellungen getätigt.

Wir freuen uns sehr, dass dieses Projekt bald dazu beitragen kann, Kinder auf ein Spitalabenteuer vorzubereiten, ihnen Orientierung zu geben und mögliche Unsicherheiten auf kindgerechte Weise aufzufangen.

Selbst ausprobieren im Skills Lab

Parallel zum Programm fand das Skills Lab statt, das sich grosser Beliebtheit erfreute. Mit Kunsthaut und echten chirurgischen Instrumenten konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Nähkünste ausprobieren und selbst aktiv werden.

Der praktische Workshop bot eine besondere Gelegenheit, chirurgische Techniken hautnah kennenzulernen und einen kleinen Einblick in die Arbeit mit medizinischen Instrumenten zu erhalten. Das Angebot wurde rege genutzt und sorgte für viele interessierte Momente.

Gleichzeitig wurde der Apéro mit feinen Apéro-Broten vom Beck, Kuchen und weiteren Snacks eröffnet. In gemütlicher Atmosphäre wurde diskutiert, gefragt, erzählt und gelacht. Es entstanden wertvolle Gespräche zwischen Angehörigen, Betroffenen und Fachpersonen – ganz im Sinne unseres Vereinsgedankens.

Gemeinsam stark – herzlichen Dank!

Wir blicken auf einen rundum gelungenen, informativen und bereichernden Anlass zurück. Die persönlichen Erfahrungen, die fachlichen Einblicke, die praktischen Tipps und die vielen Begegnungen machten diesen Tag zu etwas Besonderem.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Referierenden für ihr wertvolles Wissen, Isabella Weidmann für ihre Offenheit, Tanja Jaggi für die einfühlsame Gesprächsführung, dem Kinderbüechli-Projektteam sowie allen Helferinnen und Helfern, die diesen Anlass möglich gemacht haben. Und natürlich danken wir allen Gästen für ihr grosses Interesse, ihre Fragen und den regen Austausch.

Gemeinsam Wissen teilen, Erfahrungen weitergeben und Familien stärken – genau dafür stehen wir bei LKGS Schweiz – gemeinsam stark.

Mentimeter-Umfrage Resultate

Impressionen