Fachvortrag & Workshops zu Lippen- Kiefer- Gaumenspalten
Gemeinsam lernen, sich austauschen und sich vernetzen in Rümlang
Ein spannender Fachvortrag, Workshops, ein interaktives Referat und viel Zeit für Austausch lockten am 13. Juni 2026 LKGS-Betroffene, Angehörige, Fachleute und weitere Interessierte nach Rümlang. Es hat sich gelohnt!
Schon vor dem Anlass war viel los im Kirchgemeindehaus in Rümlang, gleich neben dem imposanten Kirchturm. Kinder machten Spiele, malten, spielten mit Bällen. Nach dem Znüni machten sie sich mit zwei Betreuerinnen auf den Weg zum nahen Spielplatz. Ihre Eltern und die anderen Erwachsenen konnte so ungestört den Anlass in einer herzlichen Atmosphäre geniessen und viel lernen.
Vielfältiges Programm – vielfältige Themen
Von Fachleuten lernen konnte man an einem Fachvortrag, Workshops und einem interaktiven Referat zu den Themen:
· Psychische Belastungsfaktoren bei Eltern und Betroffenen von LKGS: Simone Portmann zeigte in ihrem Fachvortrag eindrücklich: LKGS hat auch eine psychische Dimension, welche die ganze Familie betrifft. Denn Eltern von LKGS-Kindern haben ein signifikant höheres Risiko für Angst und Depression – Mütter stärker als Väter. Übrigens: Väter werden häufig übersehen. Betroffene haben ein 1,3 bis 10,8 Mal erhöhtes Risiko für psychiatrische Diagnosen, im Vergleich zu nicht Betroffenen: Frühe Unterstützung ist hier entscheidend. Starke Schutzfaktoren sind: Unterstützung durch die Familie, Zufriedenheit mit der Versorgung (z. B. im Spital), eine positive Lebenseinstellung und eine gute soziale Einbindung. Ein psychosoziales Screening mit einem speziellen Fragebogen sollte fixer Bestandteil sein der LKGS-Betreuung. Dies, um zu erkennen, ob es grosse psychische Risiken gibt. Ein Fachvortrag von Dr. med. Simone Portmann, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH.
· Ästhetische Betreuung und Behandlung bei LKGS: Jungen Menschen mit LKGS haben teilweise ein zu kritisches oder verzerrtes Bild ihres eigenen Aussehens entwickelt. Das weckt den Wunsch nach (viel) zu frühen ästhetischen Operationen gepaart mit unrealistischen Erwartungen. Der Workshop zeigte was wann machbar ist, etwa mit minimal invasiven Methoden. Ein Workshop von PD Dr.med. Dr. med. dent. Christine Jacobsen, Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
· Stark mit unserer Geschichte – Resilienz bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten: Simone Portmann übte mit den Teilnehmenden, wie man besser mit unangenehmen Gefühlen umgehen kann. Eine automatische Reaktion ist das Vermeiden solcher Gefühle, indem man diese wegdrückt: «Ist ja nicht so schlimm». Das blockiert. Akzeptanz ist eine begrüssenswerte Alternative, die Türen öffnet. Simone Portmann betonte auch: Eltern die (psychisch) gut auf sich schauen, unterstützen damit auch ihre von einer LKGS betroffenen Kinder. Ein Workshop von Dr. med. Simone Portmann, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH.
· Interaktives Referat «erNährender Start mit LKGS»: Die Nahrungsaufnahme bei (Klein)Kindern kann Eltern und Kinder herausfordern und rasch zum Stressfaktor für beide werden. Hier kann sie mit ihrer Beratung viel zur Entspannung beitragen. Berit Kertscher ordnete ein (etwa das für viele Eltern sehr schwierige Thema «Ernährende Magensonde»), diskutierte mit anderen Fachpersonen und erzählte aus ihrem Spitalalltag. Ein interaktives Referat von Berit Kertscher, Klinische Spezialistin Prälogopädie, Logopädin, Fachteam Neurologie, Geriatrie, Pädiatrie, Institut für Therapien und Rehabilitation.
Von anderen lernen durfte man etwa bei einem Interview mit der LKGS-Betroffenen Carmen Achermann. Ihre Geschichte zeigt, wie individuell jeder Lebensweg mit LKGS ist. Als Kind hatte sie wegen ihrer Spalte nur wenige Probleme im Alltag und mit ihren Einschränkungen lernte sie umzugehen. Was sie jedoch als sehr nervenzehrend empfand, war der lange Weg mit ihren Zähnen. In der Zeit zwischen 14 und 17 Jahren wurde ihr äusseres Erscheinungsbild zunehmend ein schwieriges Thema für sie. Ihre Maturaarbeit über LKGS half ihr, damit und mit sich ins Reine zu kommen. Eine starke Geschichte, die Mut macht.
Projekt «LKGS-Kinderbüechli»
Ein wichtiges Projekt des Jahres 2026 ist für den Verein das «LKGS-Kinderbüechli». Es handelt von Milo mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und seinem Stofftier Flumi, einem Faultier. Milo wird am Mund operiert. Das Kinderbüechli begleite Milo und Flumi und bereitet so Kinder ab ca. 4 Jahren einfühlsam auf Operationen und Spitalaufenthalte vor. Das Kinderbüechli soll ab November 2026 erhältlich sein. Auch ein Stofftier «Flumi» ist in Arbeit.
Das Autorinnen-Team Julia Buffoni und Sandra Bossard zeigten, wie dieses Herzensprojekt des Vereins entstand und wo es steht. Co-Präsidentin Sarah Thalmann führte ein und stellte das Projektteam vor.
Ein gelungener Anlass
Im Namen des Vereins «LKGS-Schweiz – gemeinsam stark» betonte Co-Präsident Matthias Sägesser am Schluss des offiziellen Teils, wie gelungen er diesen vielfältigen Anlass gefunden hat. Mit Recht. Mit einem Apéro klang das Treffen aus. Hier hatten alle nochmals Gelegenheit sich auszutauschen, Infomaterial mitzunehmen und ihre zufriedenen Kinder wieder in Empfang zu nehmen. Einige Kinder hatten den heissen Nachmittag dazu genutzt im Kirchenbrunnen ein Bad zu nehmen. Kurz: alle erlebten einen schönen Anlass. «LKGS-Schweiz – gemeinsam stark» dankt allen Beteiligten, die zum Erfolg beigetragen haben. Infos zu aktuellen Anlässen gibt es hier.
Urs Bircher, 13. Juni 2026